Kunstwerk des Monats

Zwei romanische Konsolen an den Säulen vor dem Chorraum

Die beiden romanischen Konsolen an den vorne gegenüberliegende Pfeilern zeigen zwei Gesichter, bzw. Köpfe. Sie waren ursprünglich Zeichen für die Zuordnung der Gläubigen nach den Geschlechtern: Links der Kopf mit einer Haube und demütig geschlossenen Augen, ein Hinweis für die Seite der Frauen, kamen doch Ehefrauen, wie es früher hieß, mit der Hochzeit „unter die Haube“. Rechts der unbedeckte Kopf, der Hinweis für die Männer.

Nach der großen Renovierung der 90er Jahre, wurden diese Konsolen in der Tradition erzählender Theologie vom Malermeister Günter Krumbach zu biblischen Aussagen umgestaltet. So zeigte nun der linke Kopf mit den verschlossenen Augen und Ohren den „ungläubigen“ Menschen, der sich der frohen Botschaft verschließt, und rechts mit offen Augen und Ohren den für die Botschaft offenen Menschen. Die Deutung wird dadurch verstärkt, dass über dem Kopf links ein Strauß zu sehen ist, der seinen Kopf in den Sand steckt, sowie zwei welkende Zweige, während an der rechten Seite ein aufschwingender Adler und hochwachsende Zweige erkennbar sind.

Wolfgang Acht

Rosenkranzfenster - Das Rosenkranzgesätz: "Den Du, o Jungfrau, geboren hast."

Das Hauptbild

Über der Szene der Geburt Jesu hält ein Engel das Spruchband: „Gloria in excelsis deo“ (= Ehre sei Gott in der Höhe). Maria, wieder mit blauem Unter- und weißem Obergewand, kniet mit gefalteten, auf das Kind hinweisenden Händen. Josef steht hinter ihr mit Hirtenstab, bekleidet in rotem Mantel und weißen Untergewand. Vor dem Kind, in einer von einem Strahlenkranz umgebenen Krippe, knien drei anbetende Engel.

Links sind drei Hirten zu sehen, einer hat die Hände gefaltet, der andere trägt einen Stab und ein Lamm, der dritte spielt auf einem Blasinstrument.

Im unteren Teil des Fensters sind zu sehen:

Rechts die hl. Helena mit dem Kreuz (sie soll es in Jerusalem gefunden haben) und links Kaiser Konstantin. Beide tragen weiße Gewänder (liturgischer Gewandung wie beim Weihnachtsfest). Helena und Konstantin stehen für die „öffentliche Geburt“ des Christentums, also für die offizielle Anerkennung des Christentums im römischen Weltreich. 

Typologischer Bezug zur Geburt Jesu:

Dargestellt ist in der Mitte die Begegnung Mose mit Gott Jahwe am Dornbusch. Neben ihm sind die Schafe zu sehen, die er für seinen Schwiegervater hütete. Mose zieht gerade seine Schuhe aus. Im Spruchband werden die Worte Jahwes zitiert: „solve calceamentum de pedibus tuis.“ Locus“ = „Ziehe deine Schuhe aus, der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden“ (Ex 3, 5).

So wird der Zusammenhang zwischen der „Erstbegegnung“ Gottes mit einem Menschen und der „Gottbegegnung“ in Jesus erkennbar. Gott steigt in Jesus Christus erneut herab, wie er es für das Volk Israel tat, um es aus Ägypten zu befreien. Mit Jesus steigt er erneut „herab“, um durch sein Leben, Sterben und Auferstehung alle Menschen zu befreien.

Wolfgang Acht

Die Darstellung Jesu im Tempel auf der Rückseite des Annenaltars

Dieses Bild ist eines der sieben Ölbilder auf der Rückwand des Annenaltars im oberen Chorraum der Kirche St. Mariae Geburt. Alle diese Darstellungen orientieren sich an der Kindheitsgeschichte nach dem Evangelisten Lukas. Im rechten Bild der mittleren Reihe wird die Weihe des Kindes im Tempel gezeigt. Die Eltern haben – wie es dem jüdischen Brauch entsprach – ihr erstgeborenes Kind im Tempel weihen lassen. 

Dort begegnen sie dem prophetischen Simeon, der hoffnungsvoll auf den Messias wartete. Maria, in ein weißes Kleid gehüllt, reicht ihm das Kind. Simeon, wie ein Priester gekleidet und mit einer jüdischen Kappe dargestellt, breitet die Arme aus, um das Kind gleich in Empfang zu nehmen. In dem Moment, als ihm das Kind gereicht wird, erkennt er, dass sich die Verheißung des Heiligen Geistes in diesem Kind erfüllt hat (Lk 2,26). Tief bewegt ruft er aus: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht in Frieden scheiden … denn meine Augen haben das Heil geschaut, das du geschaffen hast, damit alle Völker es sehen: ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und eine Verherrlichung deines Volkes Israel“ (Lk 2,29 ff.). 

Josef trägt in einem Korb zwei kleine Tauben, die als Opfergabe für ärmere Familien vorgeschrieben waren. Nicht zufällig sind – durch eine Säule voneinander getrennt – zwei Vierergruppen dargestellt. Dadurch soll zum Ausdruck gebracht werden, dass mit Maria und Josef sowie zwei begleitenden Frauen, von denen eine eine Kerze trägt (eigentlich ein Taufsymbol), der Beginn des neuen Bundes symbolisiert wird. In der rechten Gruppe mit Simeon hingegen wird der alte Bund dargestellt. Dass insgesamt acht Personen gezeigt sind, ist ebenfalls bedeutungsvoll: Es verweist auf den „achten Tag“, den Tag der Auferstehung Jesu. 


Wolfgang Acht

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