Kunstwerk des Monats

Fresko der wichtigen Heiligen des Franziskanerordens

 Das Fresko stellt die wichtigsten Heiligen des Franziskusordens dar. Es beginnt links mit dem heiligen Franziskus, dessen Fest am 4. Oktober gefeiert wird. Er ist mit dem Kreuz dargestellt, war er doch ein tiefer Verehrer des Gekreuzigten. Deshalb ist er auch mit den Christuswunden an Händen und Füßen und an der Brust dargestellt. Er soll diese durch Christus selbst auf dem Berg Verna erhalten haben.  

Neben ihm ist die Heilige Clara von Assisi zu sehen. Schon in jungen Jahren hat sie sich von Franziskus in den Orden aufnehmen lassen und später den weiblichen Zweig des Ordens im Auftrag des Franziskus begründet. Sie lebte mit den Schwestern das Armutsideal, das Jesus von seinen Jüngern gefordert hatte. Das Kloster lag außerhalb der Stadtmauer (San Damiano mit dem Kreuz, das zu Franziskus gesprochen haben soll). Sie trägt auch eine Monstranz, soll sie doch mit dieser bewirkt haben, dass fremde Truppen die Stadt nicht eroberten und geplünderten.  

Neben ihr steht mit bischöflichen Attributen Bonaventura. Er wurde mit 35 Jahren zum siebten Nachfolger des Franziskus in der Ordensleitung, bis er mit 52 Jahren zum Bischof und Kardinal von Albano wurde und auch in Rom großen Einfluss genoss. Er bekleidete dieses Amt allerdings nur ein Jahr bevor er mit 53 Jahren starb. Er war ein bedeutender Theologe und Kirchenlehrer. Bis heute bestimmt er noch die theologische Diskussion. Das Buch trägt er wegen der vielen Schriften, die er verfasst hat.  

Im Fresko darf die heilige Elisabeth von Thüringen nicht fehlen. Sie wird bei der Bekleidung eines Armen gezeigt, hat sie doch schon als Markgräfin auf der Burg Wartburg Sorge getragen für die Armen und bei einer drohenden Hungersnot die Vorräte der Burghöfe verteilen lassen. Nach dem Tod ihres Mannes bei einem Feldzug wurde sie von der Wartburg vertrieben und siedelte nach Marburg über, wo sie als Mitglied des dritten Ordens des heiligen Franziskus ein Hospiz gründete, wo sie selbst mitarbeitete, bis sie erschöpft vom Fasten und der harten Arbeit schon mit 24 Jahre starb. Ihr Grab und ein kostbarer Schrein befinden sich in der wunderschönen gotischen Hallenkirche Marburgs.  

Auch Antonius von Padua bleibt ein beliebter Heiliger. Auch er hat alles gegeben, so dass er schon mit 36 Jahren starb. Unermüdlich setzte er sich für die Nachfolge Christi ein, die er selbst glaubwürdig lebte. Deshalb ist er mit der heiligen Schrift gezeigt. Papst Innozenz III. soll ihn eine „lebendige Bibel“ genannt haben.  

Ganz rechts steht Bernhard von Siena mit offenem Buch und einer Monstranz mit den Buchstaben IHS (Anfangsbuchstaben des griechischen Namens Jesus). Auch er lebte für die Nachfolge Jesu, was die Monstranz zeigt. In der linken Hand hält er ein offenes Buch, in dem man liest: „Ich habe ihnen deinen Namen geoffenbart!“ und rechts ein Bildhinweis: ‚Completum est hoc opus anno 1453 (vollendet ist dieses Werk im Jahre 1453), was auf die Entstehung des Freskos verweist, aber ebenso ein Hinweis auf die Vollendung des Chorumgangs sein kann.

Vor Bernhard kniet der Stifter des Bildes, Johannes Brugmann, der selbst ein Kempener war. Er war Zeitgenosse des Thomas von Kempen. Später wurde er Prior der Kölner Franziskanerprovinz. Er stifte dieses Fresko seiner Heimat- und Taufkirche.    

 

Wolfgang Acht        

Michaelsfigur an der Spitze des Kreuzaltars

An der Spitze dieses Altars im südlichen Seitenschiff, eine brabantische Arbeit vor 1525 - wohl auch aus Antwerpen - befindet sich die Figur des heiligen Michael. Er wird als Drachentöter und damit als Kämpfer gezeigt gegen alle , die Gott nicht die Ehre und Verehrung zuteil werden lassen, die ihm gebührt. Manchmal wird deshalb der Altar auch Michaelisaltar genannt. Eingebürgert hat sich jedoch inzwischen  die Bezeichnung Kreuzaltar aufgrund des Zentralbildes im Mittelschreins.

Michael, dessen Namen Programm ist: „Wer ist wie Gott?“ Das "El" in seinem Namen weist ihn als einen Gottesboten auf, ist doch "El" ein alter Gottesname. Der Erzengel wurde zum Kultbild, weil er als der Hüter der Gerechtigkeit, Beschützer der Kirche Christi, Fürst der Seelen, Vertrauter Gottes gilt, der die Weisungen Gottes an die Menschen weitergibt und sie immer an Gott, den Einzigen und Größten erinnert.

Er wurde auch zum Anlass für Legenden. So soll er Hirten auf dem Monte Sant’Angelo in Apulien erschienen sein, so dass sich seine Verehrung im Abendland ausbreitete. Man findet eine Darstellung des kämpfenden Engels auf der Engelsburg. Er soll die Pestkatastrophe in der Stadt eingedämmt und beendet haben.

Die Kirche gedenkt seiner, zusammen mit den Erzengeln Raphael (Raphael = „Gott heilt“) und Gabriel (Gabriel = „Die Macht Gottes“) beim Engelfest am 29. September. Das Datum verbindet sich mit der Weihe der Michaelskirche in Rom, die Papst Leo I. im 5. Jh. vorgenommen hat. Er verband damit die Bitte, der Erzengel möge Schutz für die Kirche sein in allen Wirren der Zeit.    

Wolfgang Acht        

Antonius - Jakobus - Altar Rückseite

 Von der Gemäldetafel auf der Rückwand des Altars befindet sich der untere Teil in der Taufkapelle der Kirche, der obere im Sakralmuseum in Kempen. Den linken und rechten Flügel der Rückwand kann man nur in der Advents- und Fastenzeit sehen, weil dann die Seitenflügel den Mittelschrein des Altars bedecken.  

Die Bildthemen sind ebenso wie die der Vorderseite einer alten Antonius- Legende entnommen. Sie zeigen rechts die Bekehrung des Zauberers Hermogens und links die Berufungsgeschichte des Antonius sowie seinen Besuch bei dem eremitischen Gefährten Paulus von Theben.  

Der obere Mittelteil im Sakralmuseum zeigt Bilder der sogenannten Patraslegende. Ein Vater pilgert mit seinem Sohn nach Santiago. Der soll in einer Herberge einen Silberbecher gestohlen haben, dem ihm jedoch die Tochter des Hauses, die Interesse an ihm hatte, in den Rucksack gesteckt hatte. Er wurde zum Tod verurteilt und an einen Galgen gehangen. Tief traurig geht der Vater weiter. Als er auf dem Rückweg wieder in Patras ist, findet er seinen Sohn am Galgen noch lebend vor. Die Fürsprache beim Heiligen Jakobus hatte ihn gerettet. Noch heute befindet sich deshalb an der dortigen Kirche ein Hühnerstall mit Hahn und Hennen über dem seitlichen Eingang. Bei Gottesdiensten kommt es vor, dass ein Hahnenschrei oder das Gegacker der Hühner stört.  

Die unteren drei Bilder des Mittelteils zeigen drei Szenen von Antonius. Links sieht man Antonius, der seinen Freund Paulus von Theben tot auffindet. Im Hintergrund graben Löwen schon das Grab. In der Mitte sieht man, wie Antonius durch den Teufel, eine nackte Schönheit mit einer Schlange zu ihren Füßen versucht wird. Die Eule symbolisiert das Licht, das die dunkle Nacht der Versuchung erhellt. Rechts wird Antonius von Jesus Christus besucht, der ihn für seine Lebenshaltung segnet.  

Wolfgang Acht        

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