Im Mittelbild des Schreins des Annenaltars ist Jesse (Isai), der „Mann Gottes“ und Vater Davids, dargestellt. Aus seinem Schoß wächst der Baum, in dessen Ästen die Könige aus dem Hause Davids zu erkennen sind. Auch Josef zählt zum Stamm Davids, und damit gehört schließlich auch Jesus zu dieser Linie – weshalb er den Beinamen „Davidssohn“ trägt. Vor Jesse sind die „großen Propheten“ dargestellt, die nach dem Ersten Testament Jesaja, Jeremia, Baruch, Ezechiel und Daniel umfassen. Welche Figur jeweils welchen Propheten darstellt, lässt sich jedoch nicht eindeutig bestimmen; ebenso sind die Inschriften auf den Spruchbändern nicht mehr zu entziffern. Von zentraler Bedeutung ist allein, dass der kommende Messias, der Sohn Davids, durch die Propheten im Voraus angekündigt worden ist.
Wolfgang Acht
Diese neugotischen Kerzenständer wurden in den 1990er Jahren von Propst Reuter beim Restaurator Coivers in Kevelaer erworben. Sie stehen heute neben dem Zelebrationsaltar beziehungsweise auf der unteren Stufe zum Chorraum. Es handelt sich um sechs Messing-Kerzenständer in drei verschiedenen Höhen (88 cm, 95 cm und 110 cm). Die vier größeren Leuchter sind zusätzlich mit einem Kronenkranz versehen.
Die Kerzenständer stehen jeweils auf sechs runden Knäufen, die von dreieckigen Füßen getragen werden. Ihre Gestaltung greift Formen der gotischen Architektur auf, was sich auch in den insgesamt zwanzig aufgetragenen Fenstermotiven widerspiegelt. An den beiden kleinsten Leuchtern befinden sich im mittleren Bereich kleine Heiligenfiguren, die unter gotischen Baldachinen stehen. Dargestellt sind Maria mit zwei Kindern – Jesus und vermutlich Johannes der Täufer. Im Lukasevangelium (Kapitel 1 und 2) werden die Geburten beider bezeugt.
Weitere Figuren zeigen die heilige Helena mit dem Kreuz, das sie der Überlieferung nach im 3. Jahrhundert in Jerusalem gefunden haben soll, sowie die heilige Elisabeth von Thüringen, die ein Brot in der Hand hält – Sinnbild ihrer Barmherzigkeit und der Hilfe, die sie den Armen zukommen ließ.
Wolfgang Acht

Der Maler des Ölgemäldes dieser brabantischen Arbeit aus der Zeit um 1520/30 ist unbekannt. Vermutet wird, dass das Bild einst zum heute nicht mehr erhaltenen Salvatoraltar gehörte. Die Bildform lässt sich zudem mit der Retabelform des oberen Bereichs des Jakobus-Antonius-Altars im linken Seitenschiff vergleichen.
Im Vordergrund erscheinen zwei Stifterfiguren: links ein Mann in Amtsrobe sowie eine Frau mit zum Gebet gefalteten Händen, die einen roten Rosenkranz hält. Rechts kniet ein jüngerer Weltpriester im weißen Rochett, in den Händen einen Palmzweig. An der Spitze des in Dreiecksform komponierten Bildes kniet Maria vor dem Jesuskind, begleitet von Engeln. Links steht Josef mit einer Kerze; rechts sieht man ein bäuerliches Paar, das auf die Hirten verweist, die der Überlieferung nach als erste zur Krippe kamen.
Im oberen Teil des Gemäldes gliedern zwei Pilaster drei einzelne Szenen. In der Mitte hält ein schwebender Engel ein Wappen über einer Stadtlandschaft. Das Wappen zeigt links ein goldenes Feld mit Andreaskreuz und rechts drei rote Querbalken. Dessen genaue Zuordnung ist ungeklärt; möglicherweise handelt es sich um das Wappen der abgebildeten Stifter. Links ist die Verkündigungsszene dargestellt: Maria sitzt in einem kleinen, tempelartigen Raum auf einem Stuhl. Oben rechts folgt die Darstellung der Beschneidung Christi. Der Tempel dient hier als Symbol für Maria, die den Gottessohn geboren hat und somit selbst zu einer Art „Tempel“ für ihn wird.
Wolfgang Acht