Kunstwerk des Monats

Antoniusaltar

Der heilige Antonius wird hier mit Mönchshabit dargestellt. Als Beigabe trägt dieser ein Kreuz in T-Form (Antoniuskreuz bzw. ägyptisches Kreuz) mit Glöckchen. Es weist darauf hin, das es den Antonitern erlaubt war, Almosen für die von ihnen betreuten, notleidenden und kranken Menschen zu sammeln. Sie machten sich mit einem Glöckchen bemerkbar.

Neben der Figur steht ein Schwein zur Erinnerung an das Privileg der Antoniter, als Entgelt für ihre Krankendienste, Schweine auch innerhalb ihres Klostergeländes halten zu dürfen.  

Aber nicht Antonius selbst, sondern ein Edelmann stiftete im Mittelalter die religiöse Genossenschaft der Antonius-Brüder zur Pflege von Pest- und Schwerkranken. Der Edelmann hatte auf die Fürsprache des hl. Antonius erlebt, dass sein Sohn geheilt wurde. Durch diesen Orden erlangte Antonius dann auch seine Beliebtheit bei den Menschen.  

Wer war dieser Antonius, der auch Mönchsvater genannt wurde?   Geboren wurde er um 251 n. Chr. in Mittel-Ägypten als Sohn reicher Eltern, die er früh verlor. Um Trost zu finden, ging er in die Kirche und hörte dort  die Worte der Schrift: „Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast und gib der Erlös an die Armen, dann folge mir“ (Mt 19, 16 ff).  Das bewegte ihn, Abschied von Zuhause zu nehmen und in die lybische Wüste als Eremit in Einsamkeit zu leben. 20 Jahre blieb er dort. Viele suchten ihn auf, um Rat und Beistand zu finden. Später kehrte er aber nach Alexandrien zurück, um die verfolgten Christen zu ermutigen und zu trösten. Doch es zog ihn wieder in die Wüste und seine Schüler folgten ihm. So wurde er zum „Vater“ der Mönche und Einsiedler. Er beriet sogar Kaiser Konstantin. Antonius, der „Wüstenvater“ soll 105 Jahre alt geworden sein. Er wird als „Stern der Wüste“ bezeichnet.  Sein Grab wird in Arles, Südfrankreich, verehrt. In der Kirche wird sein Gedenktag am 17. Januar gefeiert.   Von „Versuchungen“ soll er geplagt gewesen sein. Viele mittelalterlichen Bilder - auch im hiesigen Altar zu sehe - zeigen das in dramatischer Form. Doch der Herr selbst soll ihm beigestanden haben. So zeigt es auch das rechte Bild, in dem Jesus ihm begegnet. Ein weiter Einsiedler, Paulus von Theben, soll mit ihm in der Wüste gelebt haben. Sie sind sich dort oft begegnet. Antonius findet Paulus tot auf, wie man es auf dem linken Bild sieht.    

Wolfgang Acht     

Hausaltar

Dieses kleine Kunstwerk ist um 1460 – 1480 entstanden. Das Schreingehäuse ist aus dem 19. Jahrhundert.

Der Flügelaltar wird sowohl dem Meister der Tiburtinischen Sibylle zugeschrieben als auch dem Meister von Aventin oder der Mechelner Schule. Der zweiflügelige Hausaltar in Form eines spätgotischen Retabel ist kunsthistorisch noch wenig erforscht.

Die Malereien auf Eichenholz zeigen im Mittelteil eine Anna „Selbdritt“ in einer seltenen Zuordnung der Personen. Das Jesuskind steht erhöht auf einem Kissen der Sitzbank zwischen Maria und Anna.

Auf dem linken Innenflügel ist die Geburt Jesu, auf dem rechten die Beschneidung dargestellt. In beiden Darstellungen finden sich Landschaftsdetails.

Schließt man beide Flügel, sieht man links den legendären Tempelgangs Mariens vor einer idealisierten Landschaft rechts. Begleitet wird sie von Anna und Joachim sowie zwei Frauen und einem Mann. Maria steigt 15 Stufen zum Tempel hinauf. Sie weisen auf die „Stufenlieder“ bei Aufgang zum Tempel, bzw. auf den „Stufenweg der Vollkommenheit“ hin (früher als „Gradualpsalmen“ noch im Chorgebet üblich). Maria wird von einem Priester im Bischofsornat empfangen. Das bischöfliche Ornat will wohl den Hohenpriester kennzeichnen, der selbst die Weihe des Mädchens im Tempel vornimmt. Maria selbst ist am Fenster mit einem Buch in der Hand zu sehen, ein Hinweis auf ihre Schrifttreue. Unterhalb der Turmtreppe ist der Teufel in Gestalt eines Äffchens an eine Kette gelegt, daneben steht ein Hund. Es wird symbolisch gezeigt, dass durch die Geburt Jesu, des Erlösers, zu der Maria erwählt wird, das Böse endgültig besiegt wird.  

Wolfgang Acht     

Die Albiez Orgel

Wenn in unseren Kirchen eine Orgel erklingt, dann erhebt sie die Herzen der Gläubigen auf wunderbare Weise. Mal majestätisch Gottes Größe lobend, mal leise flehend das Gebet der Menschen unterstützend, mal in frohem Klang, weil es Feste des Lebens zu feiern gilt, mal in melancholischen Tönen, weil die Trauer uns das Sprechen versagt. Mit der Vielzahl ihrer Register und Pfeifen wird die Orgel zu einem Vorbild für alles menschliche Zusammenleben. Durch den strömenden Wind werden die einzelnen Pfeifen lebendig und ergeben jenen unverwechselbaren Klang des Instruments, das ganz unbescheiden die „Königin der Instrumente“ genannt wird. Vielleicht kommt die Bezeichnung auch daher, dass sie durch ihr Spiel in der Feier der Gottesdienste die Gemüter der Menschen ganz nah mit der Ewigkeit Gottes, mit seinem Himmel, in Berührung bringt. In der Kempener Propsteikirche ist eine 500-jährige Geschichte von Orgeln bezeugt. Davon zeugt das erhaltene und restaurierte zweitälteste Orgelgehäuse der Renaissancezeit in Deutschland und eine klingende Orgel, die Albiez Orgel, die über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist und sehr geschätzt wird. Die finanzielle Grundlage für dieses noch sehr junge Kunstwerk in der Propsteikirche legte Propst Johannes Hüskes, Pfarrer in Kempen von 1963 – 1973. In seinem Testament hinterließ er rund 300.000 DM für eine neue Orgel. Der Orgelbau- Verein besorgte die restlichen 200.000 DM. Die Disposition erstellten Viktor Scholz aus Mönchengladbach und Walter Damm aus Kempen in Verbindung mit dem Orgelbaumeister Winfried Albiez aus Lindau am Bodensee. Die Intonation, die Krönung des Orgelbaus, entscheidet über Erfolg und Misserfolg aller übrigen Arbeiten. Jede einzelne Pfeife wird nach Tonansatz, Klangfarbe und – stärke auf den Raum abgestimmt, entsprechend dem Klangbild, das der Erbauer schon bei der Gesamtplanung zugrunde gelegt hat. Das 44 Register zählende Kunstwerk ist in besonderer Weise auf französische Orgelmusik ausgerichtet. Organisten von Weltruhm rühmen dieses Werk. Die Orgel wurde am 22.September 1979 eingeweiht.

 

Propst Dr. Thomas Eicker

Heinz Wilhelm Wolters

Die Schönheit einer Orgel kann man am besten beurteilen, wenn man ihren Klang auch hört. Der Kempener Kantor und Organist Christian Gössel spielt eine Imrovisation über eine Melodie, die im Gotteslob unterlegt ist mit dem Text  "Maria Mutter unseres Herrn".

Daher empfehlen wir Ihnen das nebenstehende Video!

 

 

 

 

      

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