Kunstwerk des Monats

Die gestohlenen Figuren aus dem Kreuzaltar

Ein Kunstraub von Altarfiguren aus dem „Kreuzaltar“  

 

Die Bilder weisen auf einen Vorgang hin, der in den rheinischen Medien Mitte 2016 für Überraschung sorgte. Es wurde auf einen Kunstraub von 1969 in der Propsteikirche St. Mariae Geburt hingewiesen.

Vor 46 Jahren wurden aus der linken unteren Schnitzgruppe der Beschneidung Jesu die Mittelfiguren, weiterhin zwei Figuren aus dem mittleren Bild der „heiligen Sippe“ und zwei aus dem rechten Bild, dem Marienbegräbnis geraubt. Der Diebstahl wurde damals nicht bekannt gegeben, war es doch peinlich, den Raub aufgrund der nicht genug befestigen Figuren nicht verhindert zu haben. Zwei Jahre später, im Jahr 1971, entschloss man sich , die fehlenden Figuren durch den erfahrenen Schnitzer und Restaurator, Wilhelm Hable aus Meerbusch, kopieren zu lassen.

Dieser hat eine erstaunlich gute handwerkliche Arbeit geleistet. Es standen ihm für diese Arbeit nur Schwarzweißfotos der Schnitzgruppen zur Verfügung, nach denen er die fehlenden Figuren kopierte und die Farbgebung dem oberen Altarensemble anpasste. Jetzt, wo die Originale wieder aufgetaucht sind, erkennt man, wie gut die Kopien gelungen sind.

Viele haben den Verlust gar nicht richtig wahrgenommen.

Die Originale aus dem Jahr 1520 wurden im Februar 2016 im Klostergarten Maria Lach anonym in einer Tragetasche abgestellt. Durch vorgenommene Recherchen des Bundeskriminalamtes konnten die Originale den jeweiligen Orten im Rheinland, wo man sie gestohlen hatte, zugeordnet werden. Vor der anstehenden Renovierung wurden die Originale mit den Kopien in einer Ausstellung im Kramermuseum der Stadt Kempen ausgestellt.   Der Renovierung bedarf es, weil die Figuren stark verschmutzt und Farbteile abgesprungen sind.   Diese Arbeiten sind aufwendig, daher sucht die Propsteipfarre Spender für diese Arbeit. Nach der Renovierung sollen die Figuren wieder ihren angestammten Platz im Kreuzaltar finden.  

Die Fotos zeigen einmal die Originale in dem noch nicht restaurierten Zustand und die Kopien von Wilhelm Hable aus Meerbusch aus dem Jahre 1971.

Pfarrer Wolfgang Acht

Annenaltar - Das Weltgericht

Wenn in der Advents- und Fastenzeit die Altarflügel vor den Mittelteil des Altars geklappt werden, wird  das Bild vom „Weltgericht“ bzw. „Jüngsten Gericht“ sichtbar. Besonders im 12. Jh. wird es in plastischen Szenen über den Portalen der gotischen Kathedralen sowie Fresken innerhalb der Kirchen bestimmend. Das weltweit bekannteste ist das „Jüngste Gericht“ an der Stirnwand der Sixtinischen Kapelle, das Michelangelo 1541 vollendete.
Die Thematik ist nicht einer mittelalterlich furchteinflößenden Verkündigungspraxis geschuldet, sondern greift den Gerichtsgedanken der Schrift auf. Schon bei den Propheten findet sich dieser, dann in der Predigt Johannes des Täufers sowie bei Jesus. Beide rufen zur Umkehr auf und machen deutlich, dass Gott einst Rechenschaft von jedem verlangen wird. In den Gleichnissen vom „Unkraut im Weizen“ (Mt13, 24ff) oder vom „Weltgericht“ (Mt 25, 14 ff) wird das erkennbar. Es dürfte nicht verwundern, dass sich diese Bildthematik in der christlichen Kunst immer mehr durchsetzt.

Auf den rückwärtigen Altarflügeln des Annenaltar ist zu sehen:
    Oben in der Mitte der wiederkehrende Christus und Weltenrichter auf dem Thron, umgeben von Engel, die die „Leidenswerkzeuge“ der Passion tragen. Dem Thronenden ist links eine Lilie (Symbol für den Maßstab) und rechts ein Schwert (Symbol der Vollmacht zugeordnet.  Er weist mit seiner rechten, erhobenen Hand auf die hin, die zu den Auserwählten gehören dürfen  und mit der linken nach unten zu den Verworfenen.
    Neben ihm sind links und rechts die „Aufrechten“ / „Gerechten“ (Heilige und Apostel) zu sehen.
    Darunter rufen Engel mit Trompeten links die Toten vor den Thron und rechts werden die  „Verworfenen“ unterhalb einer brennenden Stadt von dämonischen Wesen in die Verdammnis geführt. 

In der Advents- und Fastenzeit soll durch dieses Bild der Umkehrgedanke betont und herausgefordert werden. Es bleiben bei der Schließung des Altars dennoch die Bilder von der Geburt Jesu, der Anbetung der Könige und der Weihe Jesu im Tempel sichtbar.
Durch die Menschwerdung Jesus werden wir zur Beziehung mit Gott ermutigt, aber auch herausgefordert. Wir sollen mit unserem Leben Konsequenzen aus dem Entgegenkommen Gottes ziehen und, übertragen gesprochen, wie er Mensch zu werden.

 

 

 

 

      

November 2016 - Romanischer Taufstein

Das älteste Kunstwerk in der Propsteikirche ist das aus Namurer Blaustein geschaffene Taufbecken, das einzig erhaltene Zeugnis des frühen Gotteshauses in romanischem Baustil (13. Jh.).

Das romanische Becken ruhte wohl früher auf fünf Säulen, wie es an den Stümpfen unter dem Becken zu erkennen ist. Um das Becken läuft ein Fries mit bartlosen menschlichen Köpfen. Dazwischen sind zwei Felder mit einem Löwenpaar zu sehen, das nur einen Kopf hat. In den anderen Feldern ist ein einzelner Löwe und ein Drache mit geringeltem Schwanz zu erkennen. Eine Deutung könnte sein: Die Kräfte des Bösen werden durch die Kräfte des Guten überwunden. Wer mit Christus in der Taufe "stirbt", unterliegt nicht mehr des Macht der Sünde und des Todes (Drachen), sondern wird durch Christus Auferstehung erlangen (vgl. Röm. 6,3ff). Es könnte ebenso der Bezug zur Erzählung aus dem Buch Daniel hergestellt werden. Daniel wurde in die Löwengrube geworfen, aber konnte durch die Gottes Beistand diese heil verlassen (vgl. Da. 6,2 -29).

Quelle:Kirchen in der Thomasstadt Kempen - Kath. Kirchengemeinde St. Mariae Geburt, Kempen

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