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Kunstwerke des Montas 2021

01. Januar 2021

Anbetung und Verehrung des Kindes durch die drei Weisen

Diese eindrucksvolle Szene befindet sich auf dem Retabel der Rückseite des Annenaltars und ist eines der sieben Ölbilder. Diese Rückwand war vielleicht einmal das zentrale Altarbild des Hochchores. Bei der Umstellung des Annenaltars vom nördlichen Turmraum in den Hochchor (1850) wurden die Bilder dann zur Rückseite. Die Bildreihe ist eventuell älter als die Vorderseite des Annenaltars (1514).

Es sind drei Weisen oder Könige zu sehen, die symbolisch die bekannten Kontinente Europa, Afrika und Asien repräsentieren. Es soll deutlich werden, dass alle Welt dem Messias-Kind huldigen will. Die Begegnung findet in einer einfachen Hütte statt. Dabei hat Maria das Kind auf dem Schoß und wird dadurch gleichsam zum Thron für das Kind.

Josef stützt sich auf einen Wanderstock, ein Zeichen für die Wanderschaft, die die Familie nach Bethlehem machen musste und die sich bald auf der Flucht nach Ägypten fortsetzen wird (siehe Bild oben). Im Hintergrund beobachtet ein Mann die Szene durch das Fenster.

Die Könige sind mit aufwendigen Kopfbedeckungen vornehm gekleidet. Sie überreichen dem Kind ihre Geschenke in kostbaren Gefäßen. Dabei steht Gold für Europa und das königliche Kind, Weihrauch für Asien und das göttliche Kind, Myrrhe für Afrika und als Zeichen für die spätere Passion.

Im Mittelalter erhalten die Könige symbolisch persische Namen: Kaspar (Schatzmeister), Melchior (Gottesschutz) und Balthasar (Lichtkönig). Manche sehen in den Königen drei Generationen: den Greis, den Mann mittleren Alters und den jungen Mann.

Ein Stern hatte den Weisen im Morgenland einen König angekündigt. Das Matthäusevangelium zitiert als Schriftbeweis: „Ein Stern geht in Jakob auf, und ein Zepter erhebt sich in Israel“ (Num 24,17). Die Geburt Jesu wird damit als Erfüllung dieser Verheißung verstanden.

Wolfgang Acht

01. Februar 2021

Fest der Darstellung des Herrn - Mondsichelmadonna

Diese Mondsichelmadonna wurde Ende des 18. Jh. erstellt. Propst Lux (*1901 1963) schaffte sie an. Die Figur der Mondsichelmadonna orientiert sich an der Offenbarung des Johannes, der in einer kosmischen Vision davon spricht, dass ein Drache die „große Frau“, die Kirche, verfolgt. Sie ist deshalb mit Sternen und der Sonne bekleidet und steht auf dem Mond. So wird das letzte apokalyptische Gefecht zwischen dem weltlich Bösen mit der von Gott geschenkten Verheißung, die sich in Maria erfüllte, dargestellt: „Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt“ (Offb, 12,1–5). Das Motiv wurde so beliebt, dass ältere Madonnen nachträglich mit Strahlenkranz und Mondsichel versehen wurden. Im 16. Jahrhundert kam zur Mondsichel noch die Schlange als Symbol des Bösen dazu (vgl. Gen 3, 15). Zum Fest „Mariä Lichtmess“ am 2. Februar ist es hier passend gewählt. Das Fest, auch „Reinigung Mariens“ genannt, weist auf die jüdische Praxis hin, nach 40 Tage den Erstgebornen dem Tempel zu weihen. Heute heißt das Fest: „Darstellung des Herrn“. An diesem Fest ist es Brauch, eine Lichterprozession durchzuführen und Kerzen zu segnen, Sind sie doch Zeichen für Christus, dem Licht der Welt (vgl. Joh 1,9 und 8, 12). 

Wolfgang Acht

01. März 2021

Figur des heiligen Josef im Chorumgang

Diese Joseffigur im Chorumgang wurde in den 60er Jahren des 20. Jh. von Propst Lux (1901-1963) aus dem Kunsthandel erworben. Sie stammt aus der Barockzeit und ist entsprechend dynamisch gestaltet, wie man an dem Faltenwurf des Gewandes sieht. Josef trägt auf dem linken Arm das Jesuskind und in der rechten Hand hält er eine Lilie. Sie weist auf seine Reinheit oder Keuschheit hin, gilt er doch nicht als der Vater Jesus, sondern der Pflegevater. Die Lilie wurde aber erst nach Ankauf der Figur hinzugefügt, weil in dieser Zeit dieses Motiv für die Betrachter als wichtig erschien.

Zum Ankauf der Figur des heiligen Josefs hatte sich Propst Lux entschlossen, weil es noch keine eigene Josefdarstellung in der Kirche gab, außer in den Schnitzaltären, innerhalb der Geburtsszenen und im Bild der „Heiligen Sippe“. Josef gilt als Schutzpatron der Kirche, hat er sich doch bereit erklärt, seine junge Verlobte, Maria, anzunehmen, obwohl sie geheimnisvoll schwanger wurde.

Je mehr der Blick in der Kirchengeschichte Maria, dem sogenannten „Urbild“ der Kirche, galt, gewann auch Josef für die Verehrung an Bedeutung. Weil er zu Maria stand und fürsorglich um Jesus bemüht war, wurde er bald auch zum Schutzpatron dieser von seinem Sohn gegründete Kirche. So verwundert es nicht, dass er gleichsam wie Christophorus zum Christusträger wird. Die Gläubigen haben sich diesem fürsorgenden Schutzpatron immer gerne genähert, um ihn für sich um seinen Schutz zu bitten.

Am 08. Dezember 1870 – also vor 150 Jahren - wurde der heilige Josef von Papst Pius IX. zum Schutzpatron der katholischen Kirche erklärt. Papst Franziskus hat am gleichen Jahrestag mit dem Apostolischen Schreiben „Patris corde“ ein Jahr des heiligen Josef ausgerufen. 

Wolfgang Acht

01. April 2021

Thomasfenster

 

In diesem Jahr jährt sich der 550 Todestag von Thomas von Kempen. Das ist Anlass genug, sich in diesem Jahr stark von diesem Jubiläum bestimmen zu lassen und nach Kunstwerken und Bilder zu sehen, die sich mit seiner Person und der Nachfolge Christi beschäftigen.

Das „Thomasfenster“ wurde Propst Dr Josef Reuter (*1936), der lange leitender Pfarrer war, zum silbernen Priesterjubiläum (1988) geschenkt.

Prof. Emil Wachter (1921-2012) entwarf das Fenster und hatte die künstlerische Leitung. Es befindet sich über der Michaelskapelle hinter der Renaissance-Orgel an der Südseite der Kirche. Viele Nuancen in Goldfarbe machen die „göttliche Welt“ sichtbar. Die Antwort des Menschen auf Gottes Entgegenkommen sind die göttlichen Tugenden Glaube (blau), Hoffnung (grün) und Liebe (rot). Im Zentrum sitzt Thomas lesend im blauen Gewand auf einem roten Sitz unter einer Kuppel. Vor ihm sieht man zwei Tauben, die Friedens- und Geisttaube. In seiner Hand hält er sein Werk, die „Nachfolge Christi“. Um seinen Bezug zur Heimatstadt Kempen erkennbar zu machen, sieht man hinter ihm das Kempener Rathaus mit einem Baukran.

Im oberen Maßwerk ist das Lamm Gottes zu sehen, aus der Herzwunde blutend. Sieben Ströme gehen davon aus, an die sieben Sakramente erinnernd. Das Lamm trägt ein offenes Buch mit den Worten: „Siehe, ich mache alles neu“ (Off 21,5).

Auch die Symbole der vier Evangelisten sind zu erkennen. Neben dem des Lukas ist ein Baum zu sehen, wohl Hinweis auf das Gleichnis vom Feigenbaum (Lk 13, 6 ff). Neben dem Symbol des Adlers für Johannes. Auch erkennt man an das abgeschlagene, blutende Haupt von Johannes dem Täufer. Zwei Türme neben Kuppelseiten wollen die die Brücke zwischen den Religionen symbolisieren.

Die vier Szenen darunter sind Hinweise auf Jesus Leben und Wirken:

  • Jesus (im hellen Anzug – also in unsere Zeit versetzt) beruft zwei Fischer im Boot (Petrus und Andreas);
  • Jesus ruft einen reichen jungen Mann, der ihm aber nicht folgt, sondern sich abwendet;
  • Jesus trägt das schwere Kreuz auf seiner Schulter;
  • Veronika erweist Jesus durch das Schweißtuch einen Liebesdienst; An der Basis des Fensters sieht man eine dekorative Struktur, die die oben genutzten Farben aufnimmt. 

Wolfgang Acht

01. Mai 2021

Nachfolge Christi - Fenster im Chorumgang

Wieder soll Thomas von Kempen im Blickpunkt stehen, dabei soll ein Fenster im Chorumgang der Kirche angeschaut werden, das in der Reihe von sieben Chorfenstern, die 1967 / 68 von Prof. Wilhelm Geyer entworfen wurden, steht.

Die Fenster sollten thematisch das Werk des großen Kempener Sohns Thomas von Kempen, die „Die Nachfolge Christi“ in den Blick nehmen. Die Imitatio Christi ist neben der Bibel das meist verbreitete und bis heute gelesene Werk der Weltliteratur. Deshalb zeigen die Fenster die Zeugen der Nachfolge Christi von der frühen Kirche bis in das 20. Jh. hinein.

In dem hier gezeigten Fenster ist auch Thomas mit aufgenommen. Er reiht sich ein bei denen, die besonders für die Kölner Kirchenprovinz Bedeutung erlangten. So sieht man im oberen Bereich des Fensters in abstrakter Form Victor von Xanten, Gereon, der Patron einer bedeutenden romanischen Kirche in Köln ist, Severin, einen frühen Bischof von Köln, dem weniger bekannten Suitbertus, dem Gründer des Klosters in Kaiserswerth, Bonifatius, den man auch als „Apostel der Deutschen“ bezeichnet, Ludger, einen Bischof von Münster im oberen Bereich.

Im unteren Bereich finden sich Bruno, der Gründer des Kartäuser-Ordens, Nobert von Xanten, zu dem früher auch Wallfahrten von Kempen aus stattfanden, sowie schließlich Thomas von Kempen, hier mit Blatt und Schreibfeder ausgestattet, um ihn als Autor der wichtigen Schrift zu kennzeichnen.

Wahrhaftig eine großartige Reihe von Zeugen, die den Kirchen- und Gottesdienstbesucher auf ihre Weise auf seinen eigenen Auftrag zur Nachfolge Christi hinwiesen und ihn dazu motivieren. 

Wolfgang Acht

01. Juni 2021

Ölgemälde Thomas von Kempen

Passend zum Gedenktag des Thomas im Juli soll hier ein Bild von Thomas gezeigt werden. Es ist nur bei einer Kirchenführung zu sehen, wenn diese auch die Thomaskapelle über der Sakristei mit einbezieht.

Es ist ein Ölbild auf Leinwand und wurde 1629 von Franz Kessler erstellt. Es misst 250 x 150 cm.

Es trägt eine Inschrift: „V. Thomas A Kempis Canonicus Regularis obyt Ao 1471 25 July“. Dieses Datum ist sein Todestag vor genau 550 Jahren.

Thomas von Kempen ist kniend vor einem Altar mit einem Marienbild dargestellt. Im Hintergrund sieht man eine dreischiffige Hallenkirche mit runden Säulen.

Im Chor der Kirche erkennt man eine große Kreuzgruppe. Besonders diese darf als Hinweis des Künstlers gewertet werden, dass Thomas Verehrung des Kreuzes sehr wichtig war, was durch die Tatsache belegt ist, dass er mehrere Kapitel in der Nachfolge Christi diesem Tema widmete.

Wolfgang Acht

01. Juli 2021

Das Thomasdenkmal

Das Thomasdenkmal (südlicher Kirchvorplatz)

Passend zum Gedenktag des Thomas am 25. Juli soll in diesem Monat das Thomasdenkmal auf dem Kirchplatz vorgestellt werden.

Um das Andenken an Thomas von Kempen lebendig zu halten, bildete sich 1836 auf Anregung des Schuldirektors des Thomaeums ein eigener Verein zur Errichtung eines Thomasdenkmals in der Stadt. König Friederich Wilhelm III. erteilte ein Jahr später dazu die Genehmigung. Die Spendengelder flossen nicht so wie erwartet, deshalb gründete man 1898 eine „Thomasstiftung“. Man hatte inzwischen 10000 Mark gesammelt, sodass man dem Aachener Bildhauer Lambert Piedboeuf den Auftrag zur Erstellung des Denkmals gab, welches im Juli 1901 eingeweiht werden konnte. Zur Einweihung und Enthüllung war sogar der Bischof von Münster, Hermann Dingelstad, gekommen. Das Denkmal wurde auf dem Kirchplatz in der Nähe des Geburtshauses von Thomas errichtet.

Der zweistöckige Sockel ist aus Fichtelgebirgsgranit und die Sitzfigur aus Bronze. An der Vorderseite des Sockels ist eine bronzene Tafel mit folgender Inschrift angebracht: „THOMAS von KEMPEN“. Darüber sieht man das Stadtwappen der Stadt. Seitlich steht: „Dem großen Sohne Kempen“

Thomas wird hier sitzend im Ordensgewand und einem Gelehrtenumhang dargestellt. Auf dem Kopf trägt er eine Kappe. Seine rechte Hand stützt sich auf die Sitzbank. Mit der linken Hand hält er dem Betracher sein Werk „Die Nachfolge Christi“ entgegen.

Einige markante Verse aus diesem Werk sind zusätzlich zu den Seiten des Postaments zu lesen.

Wolfgang Acht

01. August 2021

Das Pfingstfenster

„Pfingstfenster“

(erstes Fenster im rechten Chorumgang)

Das hier gezeigte Fenster ist eines der sieben Fenster im Chorumgang der Kirche. Diese Fenster wurden auf Anregung des Stadtbaumeisters Karl Koch von 1958 als Ersatz für die alte und inzwischen brüchige Grisailleverglasung vom Ulmer Künstler Wilhelm Geyer entworfen und von der Firma Wilhelm Derix im Herbst 1967 ausgeführt. Sie thematisieren den Weg der Nachfolge Christi durch die heiligen Zeugen der Kirchengeschichte.

Dieses siebte und letzte Fenster der Themenreihe, wird zu Recht das „Geist- oder Pfingstfenster“ genannt. Im oberen Maßwerk sieht man eine Taube, die auf den Geist Gottes verweist. Die 24 Gestalten darunter symbolisieren die heilige Gemeinde, also die Jünger Christi aller Zeiten. Übliche Attribute wie bei den Heiligen sind nicht nötig, bringt doch jede/r sein Charisma als Attribut ein. Deshalb sieht man über den Köpfen helle, blaue Kopfbedeckungen, erinnernd an das Wort des Epheserbriefes: „Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen. Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes“ (Eph 6, 16 – 17).

Wolfgang Acht

01. September 2021

Das Thomasbild im nördlichen Turmraum

Thomas wurde um 1380 in Kempen als Thomas Hemerken geboren und starb am 25. Juli 1471 im Kloster Agnetenberg. Er ist als der Autor der „Nachfolge Christi bekannt, dem Werk, das weltweit bis heute geschätzt wird.

Dieses Thomasbild hat ein Kempener Maler, Helmut Langfeld, gemalt. Er erstellte es für einen Wettbewerb „Kempener-Künstler-Christliche Kunst“. Im Jahr 2000 schenkte er dieses Bild der Propsteikirche, wo es im nördlichen Turmraum Platz fand. Thomas von Kempen steht im Mittelpunkt. Er sitzt in einer weißen Kutte eines Augustiner-Chorherrn an einem Schreibpult und seine Füße ruhen auf einem Fußhocker. Das dürfte wohl die Grundstellung schreibender Mönche in den Skriptorien der Klöster gewesen sein. Sie fertigten dort kostbare Abschriften der Heiligen Schrift an, die heute noch Bewunderung auslösen. Auf dem Pult steht ein Tintenfass mit weiteren Federn, damit der Schreiber nach Abnutzung der Schreibfeder weitere zur Verfügung hat. Auf dem Pult liegen eine Schriftrolle und ein Buch, das wohl auf heilige Schriften verweist, die er für sein Werk nutzte und meditierte.

Mit dem Bild wollte der Künstler hier mehr ausdrücken. Ein kreuzarmiger Baum bestimmt die Szene mit großen Wurzeln, die sogar über den Schoß des Schreibers hin hochwachsen. Er weist mit dem eindeutig erkennbaren Kreuz auf den „Lebensbaum“ Christus hin. Der wird gespeist aus einem Mund, wohl ein Hinweis auf Jesse, den Vater Davids, aus dessen Stamm der Messias hervorgegangen ist. Eine andere Quelle speist sich aus einem Krug, der auf das Wort Jesu zur Frau am Jakobbrunnen hinweist: „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben, wird niemals mehr Durst haben“ (Joh 4, 13b). Vier weiße Blüten und vier orange Früchte am Lebensbaum weisen auf die vier Kapitel der „Nachfolge Christi“ hin. Sie ist bis heute für viele eine Quelle persönlicher Meditation. Die Kirche links dürfte St. Mariae Geburt in Kempen, seine Heimatkirche darstellen. Sie ist nach dem Vorbild des ältesten Stadtsiegels gezeichnet. Rechst dürfte an die Klosterkirche in Agnetenberg gedacht sein, im dem Thomas 72 Jahre lebte. Der Mönch vor dem Kloster soll wohl auf seinen Bruder hinweisen, der dort Prior war.

Wolfgang Acht

01. Oktober 2021

Die drei Orgeln der Propsteikirche

Die Propsteikirche hat drei Orgeln. Schon Ende des 15. Jh. soll es eine Orgel über der Michaelskapelle gegeben haben, später gab es dann noch ein kleines Instrument in der Annenkapelle im nördlichen Turmraum. Diese hier gezeigte Renaissance-Orgel wurde 1541 mit 19 Registern eingebaut. Bei der Großrenovierung im 19. Jh. entfernte man die Orgel, die Elemente gingen dabei leider verloren. Lediglich der Prospekt und die Frontbilder blieben erhalten. Der Prospekt ist heute über der Michaelskapelle zu sehen.

Im Einzelnen sieht man das Brustbild eines Mannes mit militärischem Gewand; in der Mittelkonsole drei Pferdköpfe mit Brüsten, eine Frau mit Spitzenhäubchen, eine mit Blütenhaube, einen bärtiger Mann mit Helm und einen mit Kohlblättern. Möglicherweise sind es Portraits von Fürsten, die sich besonders um die Kirchenreform bemüht haben. So findet sich ein Portrait des Habsburgers Karl V. mit dem typisch offenen Mund. 

Hier zu sehen ist die Sonreck-Orgel aus dem Jahr 1875. Die Orgel, deren Prospekt über der Sakristei steht, umfasst 50 Register, ist allerdings nicht mehr spielbar. 

Die Hauptorgel vor dem Turmbereich im Westen, die Albiez-Orgel, befindet sich seit dem 22. September 1979 vor dem Turmraum im Westen und umfasst 44 Register, durch die sie besonders auf französische Orgelmusik ausgerichtet ist. Immer wieder reizt diese große Orgel bekannte Organisten aus dem In- und Ausland, Konzerte zu geben.

01. November 2021

Das Konventfenster mit Albertus Magnus in der Thomaskapelle

Dieses Fenster wurde 1916 von Hein Derix geschaffen (Höhe 216 cm, Breite 102 cm). Es zeigt den hl. Albertus Magnus und befand sich in der Konvents Kapelle des Thomaeum, die aber abgerissen wurde. Das Chronogramm weist auf die Stiftung des Fensters zu Ehren des Religionslehrers Prof. Dr. Gerhard Terwelp (am Thomeum) im Jahr 1916 hin. Die Standfigur zeigt Albertus in seiner dominikanischen Ordenstracht. Als Attribute sind ihm ein Buch und eine Schreibfeder beigegeben, die ihn damit als Gelehrten auszeichneten.

Albertus wurde um 1200 in Lauingen (Bayern) als Sohn eines schwäbischen Ritters geboren. Er studierte ab 1223 in Padua und trat dort in den Dominikanerorden ein. Später war er Lehrer an mehreren Ordensschulen, so in Paris und Köln. Dort gründete er 1248 eine Schule, die zum Mittelpunkt geistiger und geistlicher Gelehrsamkeit wurde. Dort wurde er Lehrer des berühmten Theologen Thomas von Aquin. Auf Bitten von Papst Alexander IV. wurde er 1260 Bischof von Regensburg, deshalb hält zu seinen Füßen eine Putte Mitra und Hirtenstab. Schon nach sechs Jahren bat er um die Entpflichtung von diesem Amt, um weiter in Köln als Mönch und Gelehrter tätig sein zu können. Er nahm aber noch Weihen vor. So konsekrierte er noch kurz vor seinem Tod 1280 den Hochaltar in der Basilika von Mönchengladbach. 

Ende 1280 starb er in Köln und wurde in der Klosterkirche St. Andreas beerdigt, wo man heute noch den steinernen Sarkophag in der Krypta sieht. Erstaunlicherweise wurde er aber erst 1931 von Pius XI. heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer erklärt.

01. Dezember 2021

Geburtsszene im Kreuzaltar an der Stirnwand des südlichen Seitenschiffes

Die Szene ist auf dem Kreuzaltar, einer brabantische Arbeit aus Antwerpen (1540 / Eiche), zu sehen. Hier das zur Advents- und Weihnachtszeit passende Bild, die Geburt Jesu, das sich links in der unteren Bildreihe des Altars befindet. Zu sehen sind anbetende Hirten und vor dem Kind ein kniender Engel, dessen Flügel leider abhanden gekommen sind. Die Darstellung des Kindes in der Mitte wirkt, als wäre später eingefügt worde, da die Basis gegenüber der Basen der anderen Figutren heller ist. Hinter dem Kind sind Ochs und Esel zu erkennen. Rechts kniet Josef mit einer Kerze vor dem Kind.

Seitlich sind kleine Schnitzarbeiten mit den Darstellungen der „Verkündigung“ und „Heimsuchung“ zu sehen. Beide sind inhaltlich mit dem Geschehen verbunden. So war es doch ein Engel Maria, der bat, dass sie ein Kind, den Messias Gottes, empfangen solle. Sie ist von diesem Auftrag so betroffen, dass sie daraufhin ihre Base Elisabeth besucht, die ihr Mut macht und sie als Mutter des Herrn preist. 

Darunter ist die Szene der Beschneidung Jesu im Tempel zu sehen. Ein Priester oder Bischof nimmt die Beschneidung (mit einer Brille) vor, begleitet von fünf Männern und fünf Frauen, von denen eine dem Priester das Kind reicht und ihm beisteht. 

Wolfgang Acht