Kunstwerk des Monats

Vesperbild - Marienklage

Rechtes Mittelschiff der Kirche 3. Säule, ein hölzernes Vesperbild von 1385  

 

Die hölzerne Pieta stand ursprünglich in der Kapelle Sankt Peter, dem ältesten Gotteshaus von Kempen. Die Darstellungsform entspricht dem „weichen Stil“ der Gotik. Die Figur ist nur noch fragmentarisch erhalten. Die beiden Hände stellen eine neuere Fassung dar. Vermutlich trug sie früher auf ihrem Schoß den leidenden Christus, der wohl verloren gegangen ist. Darauf lässt der ungewöhnlich lange Oberkörper der Figur zu schließen sein.die Unsicherheit führte dann zu der mehrdeutigen Benennung der Figur "Marienklage".  

Diese Plastik wurde wohl bei einer späteren Renovierung verändert. Die Hände der Madonna weisen parallel nach vorne, so dass die ursprüngliche Handhaltung für den auf ihrem Schoß ruhenden toten Sohn nicht mehr erkennbar ist. Die Pietà („Frömmigkeit, Mitleid“) auch Vesperbild genannt, ist in der bildenden Kunst die Darstellung Marias als Schmerzensmutter mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus Christus. Dieses Motiv ist in der Bildhauerkunst seit dem frühen 14. Jahrhundert gebräuchlich und soll eine verstärkte Hinwendung zum Leiden Christi am Kreuz und des Mitleidens seiner Mutter mit ihrem Sohn zum Ausdruck bringen. Die Pietà zählt zu den bekanntesten Darstellungsformen des Mittelalters. Wolfgang Acht   

Lambertuspredella in der Taufkapelle

Im September gedenkt die Kirche des ersten Maastrichter Bischofs Lambertus (635 – 705). Er, der das Opfer einer Blutrache wurde, war ein hoch geschätzter Mann und wurde vor allem in Belgien, aber auch am Niederrhein verehrt, so dass es im Antonius-Jakobus-Altar (Anfang des 16. Jh.) zwei große Schnitzbilder gibt, die ihm gewidmet sind. Die Predella für diesen Altar enthält fünf Ölbildern auf Holz, die Szenen aus dem Leben dieses Bischofs zeigen. Dieses Werk befindet sich heute in der Taufkapelle der Kirche. Es wurde dorthin gebracht, als es im 19. Jh. die Vorschrift gab, in jeden Altar einen Tabernakel und Kerzenbänke einzubauen, so dass dieses wertvolle Werk unter den großen Schnitzbildern des Altars entfernt wurde. Folgende Bilder sind zu erkennen: Links tritt ein Bischof an den gedeckten Tisch eines vornehmen Mannes, dessen Gesicht an Kaiser Maximilian erinnert. In der Mitte wird die Ermordung des hl. Lambertus an einem Altar dargestellt. Rechts sieht man eine Kampfszene. Darunter  sind zwei Tafeln mit Bildern, die auf die Legende des hl. Lambertus zurückzuführen sind. Ein Bischof mit Gefolge wird von Mönchen an der Klosterpforte begrüßt. Daneben ist eine Innenraumszene zu sehen, die den Bischof inmitten von sehr Männern zeigt. Die Bedeutung ist im Einzelnen nicht mehr zu erschließen. Es ist erstaunlich, wie frisch die Farben aufgrund einer Renovierung oder Konservierung noch leuchten.  Wolfgang Acht    

Antoniusaltar

Der heilige Antonius wird hier mit Mönchshabit dargestellt. Als Beigabe trägt dieser ein Kreuz in T-Form (Antoniuskreuz bzw. ägyptisches Kreuz) mit Glöckchen. Es weist darauf hin, das es den Antonitern erlaubt war, Almosen für die von ihnen betreuten, notleidenden und kranken Menschen zu sammeln. Sie machten sich mit einem Glöckchen bemerkbar.

Neben der Figur steht ein Schwein zur Erinnerung an das Privileg der Antoniter, als Entgelt für ihre Krankendienste, Schweine auch innerhalb ihres Klostergeländes halten zu dürfen.  

Aber nicht Antonius selbst, sondern ein Edelmann stiftete im Mittelalter die religiöse Genossenschaft der Antonius-Brüder zur Pflege von Pest- und Schwerkranken. Der Edelmann hatte auf die Fürsprache des hl. Antonius erlebt, dass sein Sohn geheilt wurde. Durch diesen Orden erlangte Antonius dann auch seine Beliebtheit bei den Menschen.  

Wer war dieser Antonius, der auch Mönchsvater genannt wurde?   Geboren wurde er um 251 n. Chr. in Mittel-Ägypten als Sohn reicher Eltern, die er früh verlor. Um Trost zu finden, ging er in die Kirche und hörte dort  die Worte der Schrift: „Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast und gib der Erlös an die Armen, dann folge mir“ (Mt 19, 16 ff).  Das bewegte ihn, Abschied von Zuhause zu nehmen und in die lybische Wüste als Eremit in Einsamkeit zu leben. 20 Jahre blieb er dort. Viele suchten ihn auf, um Rat und Beistand zu finden. Später kehrte er aber nach Alexandrien zurück, um die verfolgten Christen zu ermutigen und zu trösten. Doch es zog ihn wieder in die Wüste und seine Schüler folgten ihm. So wurde er zum „Vater“ der Mönche und Einsiedler. Er beriet sogar Kaiser Konstantin. Antonius, der „Wüstenvater“ soll 105 Jahre alt geworden sein. Er wird als „Stern der Wüste“ bezeichnet.  Sein Grab wird in Arles, Südfrankreich, verehrt. In der Kirche wird sein Gedenktag am 17. Januar gefeiert.   Von „Versuchungen“ soll er geplagt gewesen sein. Viele mittelalterlichen Bilder - auch im hiesigen Altar zu sehe - zeigen das in dramatischer Form. Doch der Herr selbst soll ihm beigestanden haben. So zeigt es auch das rechte Bild, in dem Jesus ihm begegnet. Ein weiter Einsiedler, Paulus von Theben, soll mit ihm in der Wüste gelebt haben. Sie sind sich dort oft begegnet. Antonius findet Paulus tot auf, wie man es auf dem linken Bild sieht.    

Wolfgang Acht     

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